Welche Muskeln trainiert Poledance?
- 28. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Oberkörper
Arme
Rumpf
Core
Beine Gesäß
Wer faszinierende Darbietungen an der Pole Dance Stange beobachtet, nimmt primär die ästhetische Eleganz, die fließenden Bewegungen und die scheinbare Schwerelosigkeit wahr. Die Darbietungen wirken spielerisch, fast so, als würde die Schwerkraft für einige Momente außer Kraft gesetzt. Doch hinter dieser mühelos erscheinenden Fassade verbirgt sich ein hochintensives Ganzkörpertraining, das in Sachen Kraftentfaltung und Muskelaktivierung kaum von einer anderen Sportart übertroffen wird.

Das Training an der Pole fordert den menschlichen Bewegungsapparat in seiner gesamten Komplexität heraus und kombiniert Elemente aus dem klassischen Kraftsport, dem Geräteturnen und der Tanzkunst.
Viele Menschen, die nach einer effektiven Methode suchen, um ihren Körper zu straffen und funktionelle Kraft aufzubauen, unterschätzen die enorme physiologische Wirkung dieser Disziplin.
Jede Bewegung, jeder Spin und jedes Halten einer Shape erfordert das synchrone Arbeiten verschiedener Körperschichten. Um zu verstehen, warum dieses Training so extrem effektiv ist, lohnt sich ein detaillierter Blick auf die spezifischen Muskelgruppen, die bei den verschiedenen Elementen an der Stange beansprucht und geformt werden.
Schultern, Arme und Rücken
Die am stärksten beanspruchsten Muskeln beim Poledance sind zweifellos die des gesamten Oberkörpers. Bereits beim ersten Zug an der Stange, dem einfachen Hochklettern oder dem Ausführen von Spins müssen die Hände und Unterarme eine enorme Griffkraft aufbringen. Die Beugemuskeln der Finger und des Handgelenks leisten Schwerstarbeit, um den Halt am glatten Metall zu gewährleisten.
Diese spezifische Unterarmkraft ist die Basis für alle weiteren Übungen und baut sich bereits in den ersten Trainingswochen massiv auf. Ein Stück weiter oben in der Bewegungskette steht der breite Rückenmuskel, der Musculus latissimus dorsi, im Zentrum des Geschehens. Er ist dafür verantwortlich, das gesamte Körpergewicht gegen die Erdanziehung nach oben zu ziehen. Ergänzt wird diese Arbeit durch die Rautenmuskeln sowie den Kapuzenmuskel im oberen Rücken, die die Schulterblätter stabilisieren und nach hinten unten ziehen.
Im Bereich der Arme arbeiten der Bizeps bei allen ziehenden Bewegungen und der Trizeps bei drückenden Elementen auf Hochtouren. Zudem erfährt der Deltamuskel in den Schultern eine intensive Kräftigung. Durch das ständige Wechselspiel aus Halten, Drücken und Ziehen entsteht eine definierte, aufrechte Haltung und eine ausgeprägte Schulterstabilität, die auch im Alltag vor Verspannungen schützt.
Rumpfmuskulatur
Ohne eine aktivierte Körpermitte ist an der Stange kaum eine kontrollierte Bewegung möglich. Der Rumpf, im modernen Fitnesstraining oft als Core bezeichnet, fungiert als die zentrale Schnittstelle für die Kraftübertragung zwischen dem Ober und dem Unterkörper. Bei fast jeder Figur müssen die tiefen Schichten der Bauchmuskulatur angespannt werden, um den Körper in der Luft zu stabilisieren und ein Abkippen des Beckens zu verhindern.
Besonders intensiv wird die Bauchmuskulatur bei sogenannten Inverts gefordert, also bei Figuren, bei denen die Beine über den Kopf gehoben werden. Hier arbeiten der gerade Bauchmuskel sowie die Pyramidenmuskeln extrem hart, um das Gewicht der Beine gegen die Schwerkraft nach oben zu katapultieren. Gleichzeitig sind die schrägen Bauchmuskeln bei allen rotierenden Bewegungen und seitlichen Haltepositionen gefordert.
Auch die Rückseite der Körpermitte kommt keineswegs zu kurz. Der Lendenbauschmuskel und der Rückenstrecker entlang der Wirbelsäule sorgen dafür, dass das Becken aufgerichtet bleibt und das Hohlkreuz kontrolliert vermieden wird. Das Resultat dieses kontinuierlichen Dauereinsatzes ist eine extrem starke, funktionelle Tiefenmuskulatur, die das biologische Korsett des Körpers bildet.
Beine und Gesäß
Obwohl der Oberkörper primär für das Halten an der Stange zuständig ist, spielt die Muskulatur der Beine und des Gesäßes eine ebenso entscheidende Rolle für das Gesamtergebnis. Bei vielen Figuren dient die Haut der Oberschenkel als wichtiger Kontaktpunkt. Um beispielsweise den Halt beim Klettern oder bei speziellen Sitzfiguren an der Pole zu sichern, müssen die Adduktoren, also die inneren Oberschenkelmuskeln, mit maximaler Kraft zusammengedrückt werden. Diese Form der isometrischen Anspannung sorgt für eine tiefe Festigung der Oberschenkelinnenseiten.
Darüber hinaus erfordert die tänzerische Ästhetik eine permanente Streckung der Beine und der Fußspitzen bis in die Zehenspitzen hinein (Pointen). Diese kontinuierliche Anspannung aktiviert den vierköpfigen Oberschenkelmuskel an der Vorderseite sowie die Wadenmuskulatur. Der große Gesäßmuskel, der Musculus gluteus maximus, arbeitet intensiv bei allen Hüftstreckungen, Rückwärtsbeugen und beim Anheben der Beine in der Luft. Durch das Zusammenspiel aus aktiver Flexibilität und Kraft werden die Beine nicht nur gestärkt, sondern auch optisch verlängert und geformt.
Tiefenmuskeln und Herz Kreislauf System
Neben den großen, sichtbaren Muskelgruppen aktiviert das Training an der Stange eine Vielzahl kleiner, tieffliegender Muskeln, die in vielen herkömmlichen Sportarten vernachlässigt werden. Dazu gehört die Rotatorenmanschette im Schultergelenk, die für die Feineinstellung und Zentrierung des Oberarmkopfes verantwortlich ist. Auch der vordere Sägemuskel am Brustkorb wird intensiv beansprucht, um das Schulterblatt bei Drückbewegungen fest am Körper zu verankern. Diese tiefen Stabilisatoren schützen die Gelenke effektiv vor Verschleiß und Verletzungen.
Neben dem reinen Muskelaufbau darf der energetische Aspekt nicht außer Acht gelassen werden. Das Verknüpfen einzelner Figuren zu fließenden Combos und langen Choreografien fordert das Herz Kreislauf System in hohem Maße. Es handelt sich um ein effektives Intervalltraining, das den Stoffwechsel anregt, die Ausdauer verbessert und den Fettverbrennungsprozess nachhaltig in Gang setzt. Die Kombination aus anaerobem Kraftaufbau und aerober Ausdauerbelastung macht den Sport zu einem der ganzheitlichsten Fitnesskonzepte überhaupt.
Das ultimative Ganzkörperworkout
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass kaum eine Muskelgruppe unangetastet bleibt, wenn man sich regelmäßig an der Pole bewegt. Das Training beansprucht den Körper von den Fingerspitzen über die tiefe Rumpfmuskulatur bis hin zu den Fußzehen in einer Intensität, die klassisches Krafttraining an Fitnessgeräten weit hinter sich lässt.
Das Besondere daran ist die Funktionalität der aufgebauten Masse. Es entsteht keine träge Muskelfülle, sondern eine geschmeidige, hochgradig koordinierte und funktionelle Kraft. Wer regelmäßig trainiert, belohnt sich selbst mit einer verbesserten Körperhaltung, definierten Muskelkonturen und einem vollkommen neuen Körpergefühl.
Die Stange erweist sich damit als das perfekte Trainingsgerät für alle, die ihren gesamten Körper auf feinfühlige, kraftvolle und hochgradig ästhetische Weise transformieren möchten.
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