Ist Poledance sexistisch? Was dich in einer Class erwartet.
- 3. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Nein, Poledance ist kein sexistisches Klischee, sondern ein anspruchsvolles Ganzkörpertraining aus Luftakrobatik, Kraftsport und Tanz, das in einem wertfreien Raum die eigene Körperbeherrschung und das Selbstbewusstsein stärkt.
In der öffentlichen Wahrnehmung existieren nur wenige Sportarten, die mit derart tief verwurzelten Vorurteilen konfrontiert werden wie das Training an der Pole Dance Stange. Wer im Alltag erwähnt, diese Disziplin auszuüben, begegnet nicht selten hochgezogenen Augenbrauen oder schiefen Blicken.

Über Jahrzehnte hinweg war das Bild in den Köpfen vieler Menschen ausschließlich durch die Unterhaltungsbranche und das Rotlichtmilieu geprägt. Die Stange wurde automatisch mit Entkleidung, Vorführungen für ein männliches Publikum und einer rein objektifizierenden Darstellung assoziiert.
Doch dieser verstaubte Blickwinkel hat rein gar nichts mit der Realität zu tun, die sich in modernen Studios weltweit etabliert hat. Die Frage, ob dieser Sport sexistisch ist, greift zu kurz und entspringt oft Unwissenheit über die enorme körperliche Leistung, die hinter jeder einzelnen Bewegung steckt.
Was früher in dunklen Ecken stattfand, hat sich längst zu einer eigenständigen, weltweiten Bewegung entwickelt, die sich durch Athletik, Inklusion und gegenseitiges Empowerment auszeichnet. Ein genauerer Blick auf die physiologischen Anforderungen und die Vielfalt der heutigen Trainingsformate zeigt, wie fortschrittlich diese Bewegungskunst wirklich ist.
Ein hochintensives Ganzkörpertraining
Wer zum ersten Mal eine moderne Trainingsfläche betritt, wird schnell feststellen, dass der Fokus hier auf reiner Performance, Muskelkraft und Technik liegt. Um den eigenen Körper entgegen der Schwerkraft an einer glatten Stange zu halten, zu klettern oder überkopf zu balancieren, braucht es eine außergewöhnliche physische Konstitution. Es handelt sich um ein hochentwickeltes Ganzkörpertraining, das in seiner Intensität mit dem olympischen Geräteturnen oder dem Klettersport verglichen werden kann.
Jede Bewegung erfordert das Zusammenspiel ganzer Muskelketten. Die Schulter- und Rückenmuskulatur muss enorme Zug- und Druckkräfte aufbringen, um den Rumpf zu stabilisieren. Gleichzeitig wird die tiefliegende Bauch- und Rückenmuskeltätigkeit bei jedem Invert massiv gefordert. Auch die Beine und das Gesäß sind permanent unter Anspannung, um durch Hautkontakt und gezielten Druck den nötigen Halt zu erzeugen.
Das ständige Arbeiten mit dem eigenen Körpergewicht baut funktionelle Kraft auf, verbessert die Flexibilität und stärkt das Herz-Kreislauf-System. Wer diesen Sport ausübt, formt seinen Körper nicht für die Blicke anderer, sondern entwickelt eine tief empfundene Stärke und Respekt für die eigene Leistungsfähigkeit.
Luftakrobatik & athletische Kunst
Ein zentraler Grund für den Wandel im Image ist die Zuordnung des Sports zu etablierten Bewegungskünsten. In der heutigen Praxis versteht sich die Disziplin als eine anspruchsvolle Form der Luftakrobatik, vergleichbar mit dem Aerial Silk oder dem Aerial Hoop aus dem zeitgenössischen Zirkus. Es geht darum, Figuren in der Luft zu kreieren, dynamische Tricks zu kontrollieren und nahtlose Combos zu schaffen.
Diese akrobatische Ausrichtung erfordert ein extrem hohes Maß an Körperbeherrschung, Raumorientierung und mentaler Fokussierung. Poledancer verbringen Monate damit, an der feinen Mechanik einzelner Griffe zu feilen und die nötige Beweglichkeit in den Gelenken aufzubauen.
In einer Poledance Class stehen daher nicht selten biomechanische Prinzipien, Verletzungsprävention und der systematische Kraftaufbau im Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Faszination zieht sich durch alle Altersgruppen und Geschlechter, was den sportlichen Charakter unterstreicht.
Tänzerischer Ausdruck
Neben dem rein akrobatischen und athletischen Schwerpunkt besitzt die Disziplin nach wie vor eine starke tänzerische Komponente. Es wäre jedoch falsch, den Tanz pauschal als sexistisch zu verurteilen. Sexismus bedeutet, dass Menschen auf ein Objekt reduziert oder fremdbestimmt kategorisiert werden. Das moderne Tanzen an der Stange ist jedoch das genaue Gegenteil:
Es ist ein Raum der absoluten Selbstbestimmung und des persönlichen Ausdrucks.
Die Bandbreite an Stilen ist enorm vielfältig. Es gibt Einheiten, die sich ausschließlich auf fließende Bewegungsabläufe aus dem Contemporary Dance konzentrieren, wo barfuß oder in Socken und zu emotionaler Musik gearbeitet wird. Andere Formate legen den Schwerpunkt auf schnelle, kraftvolle Choreografien oder erforschen das klassische Floorwork am Boden.
Selbst in den Stilen, die bewusst mit Sinnlichkeit und Poledance Heels arbeiten, geschieht dies in einem geschützten Rahmen und aus eigener Motivation heraus. Die Ausübenden entscheiden selbst, welchen Stil sie wählen, wie sie sich kleiden und welche Facette ihrer Persönlichkeit sie ausdrücken möchten. Diese Entscheidungsfreiheit ist das Fundament von Selbstermächtigung, nicht von Sexismus.
Empowerment
Wer die Atmosphäre in einer Poledance Class erlebt, spürt sofort den Unterschied zu vielen herkömmlichen Sportstätten. Die Community zeichnet sich durch einen extrem hohen Zusammenhalt und eine wertschätzende Kultur aus. In den Trainingsräumen geht es nicht darum Schönheitsidealen zu entsprechen oder sich mit anderen zu vergleichen.
Stattdessen wird jeder noch so kleine Fortschritt, sei es das erste erfolgreiche Klettern oder das Halten einer schwierigen Shape, gemeinsam gefeiert. Dieser wertfreie Raum ermöglicht es vielen Menschen, ein vollkommen neues und positives Verhältnis zum eigenen Körper aufzubauen. Der Fokus verschiebt sich von der rein visuellen Bewertung der eigenen Figur hin zu der erstaunlichen Erkenntnis, was der eigene Körper zu leisten imstande ist.
Dieses wachsende Körperbewusstsein strahlt weit in den Alltag ab und führt zu mehr Selbstbewusstsein und innerer Stärke. Anstatt veraltete Rollenbilder zu bedienen, bricht die Disziplin diese auf und schenkt den Trainierenden die Freiheit, sich ohne Angst vor Bewertung zu entfalten.
Eine moderne Disziplin
Zusammenfassend lässt sich klar sagen:
Nein, dieser Sport ist keineswegs sexistisch.
Das Stigma gehört der Vergangenheit an und hält dem Vergleich mit der realen Trainingspraxis nicht stand. Es handelt sich um eine vielseitige, hochgradig anspruchsvolle Sportart, die athletische Höchstleistungen, Luftakrobatik und individuelle Tanzkunst miteinander verbindet.
Ob du nach einem intensiven Workout für den gesamten Körper suchst, deine Grenzen in der Akrobatik austesten möchtest oder einen künstlerischen Ausgleich zum Alltag brauchst bietet dir jede Poledance Class dir die Möglichkeit, dich in deiner eigenen Kraft neu zu entdecken. Verabschiede dich von alten Klischees und erlebe selbst, wie viel Stärke, Eleganz und Selbstbestimmung an der Pole auf dich warten.
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