Bin ich zu schwach für Poledance?
- vor 6 Tagen
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Man macht Poledance nicht weil man stark ist, sondern man wird stark weil man es macht.
Der Entschluss eine neue Sportart auszuprobieren entspringt meistens einer Mischung aus Faszination und dem Wunsch nach körperlicher Veränderung. Man sieht Videos in den sozialen Medien oder beobachtet erfahrene Sportler wie sie sich scheinbar schwerelos um die eigene Achse drehen, kopfüber in der Luft verharren und komplexe Akrobatik mit einer spielerischen Eleganz verbinden.

Doch genau in diesem Moment der Bewunderung schleicht sich bei vielen ein lähmender Gedanke ein. Die innere Stimme flüstert dass man selbst viel zu unsportlich, zu unbeweglich oder schlichtweg zu schwach für solche Meisterleistungen ist. Die Angst sich in einer Probestunde zu blamieren oder am eigenen Körpergewicht zu scheitern hält unzählige Frauen davon ab den ersten Schritt zu tun.
Diese Sorge ist einer der am weitesten verbreiteten Mythen in der Fitnesswelt. Wer vor der Entscheidung steht einen Kurs zu buchen sollte eines wissen:
Niemand wird mit der spezifischen Kraft geboren die man für diesen Sport benötigt.
Die Annahme man müsse bereits durchtrainiert sein um mit dem Training zu beginnen vertauscht Ursache und Wirkung. Man macht Poledance nicht weil man stark ist sondern man wird stark weil man es macht. Jeder der heute elegant an der Stange schwebt stand irgendwann an genau demselben Punkt und hat sich die Frage gestellt ob die eigenen Arme jemals in der Lage sein werden das eigene Gewicht zu tragen.
Die Realität der ersten Probestunde im Studio
Wenn du das erste Mal ein Studio betrittst ist die Nervosität völlig normal. Du siehst die vertikalen Stangen und fragst dich wie deine Hände an diesem glatten Metall halten sollen. In der Realität ist ein professionell gestalteter Anfängerkurs genau auf diese Ausgangslage ausgerichtet. Kein verantwortungsvoller Trainer wird von einem Einsteiger verlangen sich in der ersten Stunde kopfüber an die Stange zu hängen oder komplizierte Haltefiguren einzunehmen. Das Training beginnt am Boden.
Die ersten Schritte bestehen darin ein Gefühl für die Stange zu entwickeln, das richtige Greifen zu lernen und die Muskulatur durch einfache Gewichtsverlagerungen zu aktivieren. Du lernst grundlegende Spins bei denen deine Füße den sicheren Kontakt zum Boden behalten. Diese Spins nutzen die Fliehkraft und die Physik des Körpers um Bewegung zu erzeugen ohne dass du dafür massive Klimmzugkräfte benötigst.
Es geht in den ersten Wochen vor allem darum die Koordination zu schulen und das Nervensystem an die neuen Bewegungsmuster zu gewöhnen. Wenn sich die Arme nach den ersten sechzig Minuten wie Wackelpudding anfühlen ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern der Beweis, dass deine Muskeln einen völlig neuen, effektiven Reiz erhalten haben.
Wie sich die spezifische Kraft Schritt für Schritt aufbaut
Die Biomechanik beim Pole ist einzigartig. Im Alltag nutzen wir unsere Muskeln meistens für Druckbewegungen oder das Tragen von Gegenständen vor dem Körper. Das Ziehen des eigenen Körpergewichts an einer vertikalen Linie ist eine Bewegung die in unserem normalen Tagesablauf schlichtweg nicht vorkommt. Daher ist es vollkommen logisch dass diese Muskelgruppen anfangs unterentwickelt sind.
Dein Körper durchläuft in den ersten Wochen eine Phase der neuromuskulären Anpassung. Das bedeutet dein Gehirn lernt die vorhandenen Muskelfasern effizienter und synchroner anzusteuern.
Mit jedem Training baut sich die sogenannte relative Kraft auf, also die Kraft im Verhältnis zu deinem eigenen Körpergewicht. Du musst keine schweren Gewichte stemmen um dich auf die Stange vorzubereiten. Die Pole selbst ist dein Trainingsgerät. Durch das kontinuierliche Wiederholen der Basisschritte, das kontrollierte Klettern und das Halten von einfachen Positionen stärkst du die Tiefenmuskulatur im Rumpf, deine Schulterstabilität und vor allem deine Griffkraft. Fortschritte im Polesport zeigen sich oft sehr kleinschrittig aber dafür extrem nachhaltig. Eine Figur die in der ersten Woche noch unlösbar schien fühlt sich in der vierten Woche bereits vertraut an und in der achten Woche hältst du sie mit einem Lächeln im Gesicht.
Der psychologische Aspekt:
Das Überwinden des inneren Kritikers
Die größte Hürde auf dem Weg zu mehr Kraft liegt oft nicht in den Muskeln sondern im Kopf. Wir neigen dazu uns permanent mit anderen zu vergleichen. Wenn in der Probestunde ein Teilnehmer ist dem eine Übung leichter fällt schlussfolgern wir sofort dass wir selbst ungeeignet sind. Dabei vergessen wir, dass jeder Mensch eine andere sportliche Biografie mitbringt. Vielleicht hat die Sitznachbarin in ihrer Jugend geklettert oder geturnt während du jahrelang keinen Sport getrieben hast. Das ist kein Grund zur Resignation sondern eine Einladung dich ganz auf deinen eigenen Weg zu konzentrieren.
Poledance ist ein hervorragendes Werkzeug um die eigene Frustrationstoleranz zu trainieren. Der Sport lehrt uns, dass Erfolg das Resultat von Beständigkeit und Geduld ist. Wenn ein Trick nicht sofort klappt ist das kein Scheitern sondern ein Zwischenschritt im Lernprozess.
Dein Körper benötigt Zeit um die nötigen Strukturen aufzubauen. Wenn du lernst liebevoll und geduldig mit dir umzugehen wirst du merken wie die mentale Stärke parallel zur physischen Kraft wächst. Dieses neue Selbstbewusstsein das du dir an der Stange erarbeitest strahlt weit über das in deinen gesamten Alltag hinaus.
Die Bedeutung von Kontinuität und professioneller Anleitung
Wenn du dich entscheidest dranzubleiben ist die Regelmäßigkeit der wichtigste Erfolgsfaktor. Ein unregelmäßiges Training führt dazu, dass der Körper die mühsam aufgebauten Anpassungen schnell wieder abbaut. Ein bis zwei Einheiten pro Woche sind ideal um dem Körper den nötigen Reiz zu geben und gleichzeitig ausreichend Zeit für die Regeneration zu lassen.
Hierbei spielt die Qualität des Studios eine entscheidende Rolle. Erfahrene Trainer wissen genau wie sie Übungen modifizieren können um sie an dein aktuelles Kraftniveau anzupassen. Es gibt für fast jeden Move eine leichtere Variante die es dir ermöglicht die Technik zu lernen ohne dich zu überfordern.
Diese individuelle Betreuung schützt dich vor Verletzungen und sorgt dafür dass der Spaß an der Bewegung immer im Vordergrund steht. Du bist in einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten die sich gegenseitig unterstützen und motivieren.
Du bist stark genug um anzufangen
Zusammenfassend lässt sich sagen:
Du bist definitiv nicht zu schwach für Poledance.
Die Kraft die du auf den Videos siehst ist das Ergebnis des Trainings, nicht die Voraussetzung dafür. Jeder fängt bei Null an und jeder bringt seine eigenen Herausforderungen mit. Die Stange unterscheidet nicht zwischen sportlich oder unsportlich, sie bietet jedem den gleichen Widerstand und die gleiche Chance über sich hinauszuwachsen.
Hab den Mut deine Komfortzone zu verlassen und gib deinem Körper die Chance zu beweisen wozu er fähig ist. Lass dich nicht von den ersten anstrengenden Stunden entmutigen sondern feiere die kleinen Erfolge. Wenn du mit Disziplin und Freude dabei bleibst wirst du in ein paar Monaten erstaunt sein wie viel Power in dir steckt.
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